Welche Angaben braucht der Stromanbieter beim Umzug?
Ein Umzug bringt viele Aufgaben gleichzeitig. Möbel packen, Ämter informieren, Nachsendeauftrag stellen, Handwerker koordinieren. Strom und Gas geraten dabei häufig in den Hintergrund. Dabei ist genau das ein Fehler, der unnötige Kosten verursachen kann. Wer sich zu spät um die Energieversorgung kümmert, zahlt mehr als nötig und hat im schlechtesten Fall beim Einzug keinen günstig abgeschlossenen Tarif.
Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, welche Angaben ein neuer Stromanbieter wirklich benötigt, was es mit Zählerstand, Zählernummer und MaLo ID auf sich hat, und warum ein Umzug oft der beste Zeitpunkt für einen Tarifwechsel ist. Die gute Nachricht vorab: Es ist deutlich weniger Aufwand als viele befürchten.
1. Muss ich meinen Stromanbieter beim Umzug überhaupt informieren?
Diese Frage stellen sich erstaunlich viele Menschen. Die häufigsten Annahmen: Der Strom läuft einfach weiter. Oder der Vermieter kümmert sich darum. Oder die Hausverwaltung meldet den neuen Bewohner automatisch an. Keine dieser Annahmen ist richtig.
Stromverträge sind personenbezogen. Sie laufen auf eine bestimmte Person an einer bestimmten Adresse. Ein Umzug beendet die Versorgung an der alten Adresse nicht automatisch und startet sie an der neuen Adresse nicht von selbst. Der Vermieter oder die Hausverwaltung verwaltet das Gebäude, aber nicht die individuellen Energieverträge der Mieter.
Wer beim Einzug nichts unternimmt, landet in der sogenannten Grundversorgung. Das ist die gesetzlich geregelte Basisversorgung, die jeder örtliche Netzbetreiber anbieten muss. Sie sorgt dafür, dass niemand ohne Strom dasteht. Aber sie ist teuer. Der Grundversorgungstarif ist bewusst als Auffangnetz konzipiert, nicht als dauerhaftes Angebot. Wer dort ohne Absicht landet und mehrere Monate bleibt, zahlt in der Regel deutlich mehr als bei einem bewusst gewählten Tarif.
Das Gute: Den Wechsel in die Grundversorgung und aus ihr heraus kann man mit ein paar einfachen Angaben und ein bisschen Vorlaufzeit komplett vermeiden.
2. Welche Angaben braucht der Stromanbieter beim Umzug?
Das ist die zentrale Frage, und die Antwort ist erfreulich überschaubar. Ein neuer Stromanbieter benötigt für die Anmeldung an der neuen Adresse in der Regel folgende Informationen:
• Neue Adresse mit Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort
• Einzugsdatum, also der Tag, ab dem die Versorgung beginnen soll
• Zählernummer, die direkt am Stromzähler abzulesen ist
• Zählerstand zum Zeitpunkt des Einzugs
• MaLo ID, wenn vorhanden (mehr dazu im nächsten Abschnitt)
Dazu kommen Name, Kontaktdaten und Bankverbindung, aber das gehört zum normalen Vertragsabschluss und ist keine umzugsspezifische Besonderheit.
Die Angaben, auf die es wirklich ankommt, sind Zählernummer und Zählerstand. Sie bilden die Grundlage für die korrekte Abrechnung. Der Zählerstand beim Einzug legt fest, ab welchem Verbrauch die neue Abrechnung beginnt. Fehlt er oder ist er falsch, kann es später zu Differenzen kommen, die sich im Nachhinein aufwendig klären lassen. Zählernummer und Zählerstand am Einzugstag zu erfassen dauert zwei Minuten und erspart potenzielle Probleme.
3. Was ist die MaLo ID und wo finde ich sie?
Die MaLo ID steht für Marktlokations-Identifikationsnummer. Das klingt nach einem komplizierten Begriff aus der Energiewirtschaft, und das ist es technisch gesehen auch. Für den Alltag ist es jedoch ganz einfach: Die MaLo ID ist eine eindeutige 11-stellige Nummer, die einem bestimmten Stromanschluss in ganz Deutschland zugeordnet ist.
Warum ist sie nützlich? Mit der MaLo ID kann ein neuer Anbieter den Anschluss sofort und zweifelsfrei identifizieren. Das beschleunigt die Bearbeitung und reduziert Rückfragen. Ohne MaLo ID arbeiten Anbieter mit Adresse und Zählernummer, was in der Regel ebenfalls funktioniert, aber etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen kann.
Wo findet man die MaLo ID?
• Auf einer alten Stromrechnung, zum Beispiel wenn der Vormieter eine hinterlassen hat oder wenn man als Eigentümer bereits Rechnungen erhalten hat
• Im Online-Kundenportal des bisherigen Anbieters unter den Vertragsdaten
• Beim zuständigen Netzbetreiber auf Anfrage, dieser ist zur Auskunft verpflichtet
• Manchmal direkt am Zähler oder in den Einzugsunterlagen der Hausverwaltung
Falls die MaLo ID nicht verfügbar ist, ist das kein Problem. Die meisten Anbieter kommen ohne sie aus und ermitteln die Nummer selbst über Adresse und Zählernummer. Wer sie jedoch griffbereit hat, erleichtert den Prozess und beschleunigt die Bearbeitung.
4. Wann sollte ich den Zählerstand beim Umzug notieren?
Der Zählerstand ist eine der wichtigsten Angaben beim Einzug. Er legt fest, ab welchem Verbrauch die Abrechnung mit dem neuen Anbieter startet. Wer ihn nicht dokumentiert, hat im Streitfall keinen Nachweis, wie viel Strom tatsächlich ab dem Einzugstag verbraucht wurde.
Die Empfehlung ist eindeutig: Zählerstand am Einzugstag ablesen, bevor Geräte eingestöpselt oder Lichter eingeschaltet werden. Je früher am Tag, desto besser.
So geht es richtig:
• Foto machen: Ein Foto des Zählers mit sichtbarem Zählerstand ist der beste Nachweis. Smartphone-Fotos speichern automatisch Datum und Uhrzeit in den Metadaten.
• Zählernummer miterfassen: Sie steht ebenfalls am Zähler und sollte auf demselben Bild sichtbar sein, um Verwechslungen auszuschließen.
• Schriftliche Notiz anlegen: Zählerstand und Datum zusätzlich notieren, zum Beispiel in einer Notiz-App oder per E-Mail an sich selbst.
• Beim Auszug wiederholen: Der Zählerstand beim Auszug ist ebenso relevant. Er bildet die Grundlage für die Abschlussrechnung am alten Wohnort und schützt davor, für Verbrauch zu zahlen, der nach dem eigenen Auszug entstanden ist.
Ein häufiger Fehler: Viele notieren den Zählerstand erst Tage nach dem Einzug, wenn ohnehin schon viel Strom verbraucht wurde. Dieser Mehrverbrauch lässt sich dann nicht mehr eindeutig zuordnen. Das Foto am Einzugstag ist deswegen mehr als eine Formalie, es ist ein einfacher Schutz vor unnötigen Kosten.
5. Was passiert, wenn ich mich zu spät um Strom oder Gas kümmere?
Die kurze Antwort: Es wird teurer, und rückwirkend lässt sich daran kaum noch etwas ändern.
Wer beim Einzug keinen Vertrag mit einem Anbieter abgeschlossen hat, wird automatisch vom örtlichen Grundversorger beliefert. Das passiert ohne Antrag, ohne Formular, ohne bewusste Entscheidung. Der Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, jeden Haushalt in seinem Netzgebiet zu versorgen. Das ist gut, denn es bedeutet, dass man niemals ohne Strom dasteht.
Der Nachteil: Der Grundversorgungstarif zählt zu den teuersten Optionen auf dem Strommarkt. Er ist als kurzfristige Absicherung konzipiert, nicht als langfristige Lösung. Wer dort mehrere Monate bleibt, zahlt oft erheblich mehr als bei einem Tarif, den er aktiv gewählt hätte.
Hinzu kommt, dass rückwirkende Korrekturen nicht möglich sind. Wer drei Monate in der Grundversorgung war und dann wechselt, bekommt für diese Zeit keinen günstigeren Preis. Die Differenz ist schlicht verloren. Es gibt keine Möglichkeit, im Nachhinein so zu tun, als hätte man früher gewechselt.
Für Gas gilt dasselbe Prinzip. Auch dort greift bei fehlendem Vertrag automatisch die Grundversorgung des zuständigen Netzbetreibers, und auch dort ist der Tarif in der Regel deutlich teurer als ein bewusst gewähltes Angebot.
Es gibt keinen Grund zur Panik. Auch wer ein paar Wochen in der Grundversorgung landet, steht vor keinem dauerhaften Problem. Aber wer den Wechsel frühzeitig plant, zwei bis vier Wochen vor dem Einzugsdatum, kann die Grundversorgung in der Regel vollständig umgehen. Das lohnt sich.
6. Kann ich beim Umzug direkt den Anbieter wechseln?
Ja, und ein Umzug ist einer der besten Zeitpunkte dafür.
Der alte Vertrag endet ohnehin an der alten Adresse. Am neuen Wohnort beginnt die Versorgung auf einem sauberen Blatt. Das bedeutet: Wer jetzt einen neuen Tarif wählt, muss keine laufenden Verträge kündigen, keine Fristen beachten und kein Wechselschreiben aufsetzen. Der Umzug erledigt diesen Schritt automatisch.
Dazu kommt, dass der Verbrauch am neuen Wohnort oft anders ist als am alten. Eine größere Wohnung verbraucht mehr Strom. Eine kleinere verbraucht weniger. Vielleicht kommt jetzt ein Elektroherd dazu, oder ein energieintensives Gerät entfällt. Vielleicht zieht man erstmals alleine, oder erstmals mit einer weiteren Person zusammen. All das verändert den realistischen Jahresverbrauch, auf dessen Basis Tarife kalkuliert werden. Wer den alten Tarif einfach fortführt, hat möglicherweise einen Vertrag, der gar nicht mehr zu den eigenen Verhältnissen passt.
Was beim Anbieterwechsel zum Einzug zu beachten ist:
• Der neue Vertrag sollte ab dem Einzugsdatum starten, um Lücken oder Überschneidungen zu vermeiden.
• Die Anmeldung sollte möglichst zwei bis vier Wochen vor dem Einzug erfolgen, damit der Anbieter alles rechtzeitig einrichten kann.
• Für den neuen Vertrag gelten dieselben Pflichtangaben wie immer: Adresse, Zählernummer, Zählerstand und Einzugsdatum.
Der Wechsel selbst läuft vollständig über den neuen Anbieter ab. Er informiert den Netzbetreiber, klärt alle notwendigen Schritte und sorgt für eine lückenlose Versorgung. Der Strom geht dabei nicht aus.
7. Checkliste für den Strom-Umzug auf einen Blick
Wer alle Schritte griffbereit haben möchte, findet hier eine kompakte Zusammenfassung:
• Neuen Anbieter oder Tarif auswählen, idealerweise zwei bis vier Wochen vor dem Einzug
• Zählerstand am Einzugstag ablesen und fotografieren, bevor Geräte eingestöpselt werden
• Zählernummer auf demselben Foto sicherstellen
• Neue Adresse, Einzugsdatum und Zählerstand beim Anbieter angeben
• MaLo ID bereithalten, wenn sie bekannt ist
• Alten Vertrag an der bisherigen Adresse kündigen oder ummelden
• Zählerstand beim Auszug aus der alten Wohnung ebenfalls dokumentieren
Das sind sieben Schritte, von denen sich mehrere in wenigen Minuten erledigen lassen. Wer diese Liste einmal durchgeht, hat den gesamten Ablauf im Griff.
8. Fazit
Für den Umzug werden weniger Angaben benötigt als viele erwarten. Die wichtigsten Informationen sind die neue Adresse, der Zählerstand am Einzugstag und das Einzugsdatum. Dazu kann die MaLo ID hilfreich sein, ist aber kein Muss. Wer sich zwei bis vier Wochen vor dem Einzug um den Strom kümmert, vermeidet die teure Grundversorgung und hat von Anfang an einen Tarif, der zu den eigenen Verhältnissen passt. Ein Umzug ist zudem ein guter Anlass, bestehende Tarife zu hinterfragen und gezielt zu wechseln. Der Aufwand ist gering, der mögliche Vorteil ist spürbar.
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