Der wichtigste Grund liegt in der Preisstruktur vieler Stromanbieter. Neukunden erhalten häufig besonders günstige Konditionen, um sie für einen Wechsel zu gewinnen. Diese Angebote bestehen aus niedrigeren Arbeitspreisen, reduzierten Grundgebühren oder zeitlich begrenzten Rabatten. Für den Anbieter sind solche Einstiegsangebote ein kalkuliertes Marketinginstrument, um Marktanteile zu gewinnen.
Bestandskunden hingegen verbleiben meist in älteren Tarifen. Diese Tarife werden selten automatisch angepasst, selbst wenn die Marktpreise sinken oder neue, günstigere Angebote verfügbar sind. Stattdessen werden Preissenkungen in der Regel nur aktiv kommuniziert, wenn Kunden gezielt nachfragen oder einen Anbieterwechsel in Aussicht stellen. Wer nichts tut, bleibt im bestehenden Vertragsmodell und zahlt weiter den höheren Preis.
Hinzu kommt, dass Preisanpassungen fast immer zuerst Bestandskunden betreffen. Steigen Beschaffungskosten, Netzentgelte oder Umlagen, werden diese Veränderungen direkt an laufende Verträge weitergegeben. Sinkende Kosten hingegen führen nur selten zu automatischen Preisreduzierungen für treue Kunden. Dadurch entsteht über die Jahre ein wachsender Abstand zwischen alten und neuen Tarifen.
Das Ergebnis ist ein stiller Mehrpreis, der sich Monat für Monat summiert. Viele Haushalte merken erst bei einem Vergleich oder einer hohen Jahresabrechnung, wie groß dieser Unterschied inzwischen geworden ist. Genau hier zeigt sich, warum Treue beim Stromanbieter oft deutlich teurer ist, als es auf den ersten Blick scheint.