Lohnt sich ein Kombitarif für Strom und Gas?

Mann vergleicht Strom- und Gaskosten auf Klemmbrettern mit Diagrammen, Euro-Symbol, Fragezeichen und Taschenrechnern.
Lesedauer: ca. 6 Minuten
Viele Haushalte beschäftigen sich aktuell intensiver mit ihren Energiekosten. Steigende Preise, unübersichtliche Abrechnungen und immer neue Tarifmodelle sorgen dafür, dass das Thema Strom und Gas für viele zu einer dauerhaften Belastung geworden ist. In diesem Zusammenhang taucht häufig ein Angebot auf, das auf den ersten Blick besonders einfach und attraktiv wirkt: der Kombitarif für Strom und Gas.
Die Idee dahinter klingt logisch. Beide Energiearten stammen aus einer Hand, es gibt nur einen Ansprechpartner, eine Abrechnung und oftmals wird mit einem zusätzlichen Preisvorteil geworben. Gerade für Haushalte, die sich nicht regelmäßig mit Tarifvergleichen beschäftigen möchten, wirkt dieses Modell komfortabel und zeitsparend. Doch genau an dieser Stelle lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn ein Kombitarif ist nicht automatisch günstiger. In vielen Fällen steckt der vermeintliche Vorteil weniger im Preis selbst, sondern vor allem im Marketing. Rabatte, Boni oder vereinfachte Darstellungen können den tatsächlichen Kostenverlauf überdecken. Dieser Beitrag ordnet das Thema deshalb nüchtern ein und zeigt Schritt für Schritt, wie Strom-Gas-Kombitarife aufgebaut sind, wo mögliche Vorteile liegen und in welchen Fällen sie eher nachteilig sein können.

1. Was ist ein Strom-Gas-Kombitarif überhaupt?

Ein Strom-Gas-Kombitarif bedeutet grundsätzlich, dass Strom und Gas über denselben Energieanbieter bezogen werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht immer um einen einzigen Vertrag. In den meisten Fällen bestehen zwei separate Lieferverträge, die lediglich organisatorisch oder preislich miteinander verknüpft sind. Genau hier liegt bereits eine wichtige Unterscheidung, die für Verbraucher relevant ist.
Viele Anbieter bewerben Kombitarife mit sogenannten Kombirabatten. Diese Rabatte werden entweder als fester Betrag pro Jahr, als monatlicher Abschlag oder als Bonus im ersten Vertragsjahr gewährt. Häufig sind sie an Bedingungen geknüpft, etwa daran, dass beide Verträge gleichzeitig abgeschlossen werden oder über eine bestimmte Mindestlaufzeit bestehen bleiben. Der eigentliche Arbeitspreis für Strom und Gas bleibt dabei oft unverändert.
In anderen Fällen erfolgt die Kopplung über Bonusmodelle. Der Kunde erhält einen einmaligen Vorteil, der häufig erst nach zwölf Monaten ausgezahlt oder verrechnet wird. Dadurch wirkt der Kombitarif im ersten Jahr günstiger, während die tatsächlichen Kosten im zweiten Jahr deutlich ansteigen können. Genau diese Struktur führt häufig dazu, dass Kombitarife in Vergleichen besser aussehen, als sie langfristig sind.
Wichtig ist außerdem: Strom und Gas unterliegen unterschiedlichen Preisentwicklungen. Während sich Strompreise stärker am Strommix und an Netzentgelten orientieren, sind Gaspreise stärker von globalen Märkten und saisonalen Schwankungen abhängig. Ein Anbieter, der bei Strom sehr günstig ist, muss deshalb nicht zwangsläufig auch beim Gas konkurrenzfähig sein. Kombitarife gleichen diese Unterschiede nicht automatisch aus.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Ein Strom-Gas-Kombitarif ist in erster Linie ein Verwaltungsmodell mit möglichen Preisvorteilen. Ob daraus tatsächlich eine Ersparnis entsteht, hängt weniger vom Begriff „Kombi“ ab als von den konkreten Konditionen beider Einzelverträge. Genau deshalb ist ein genauer Blick auf Aufbau, Preisstruktur und Laufzeit entscheidend, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

2. Ist ein Kombitarif für Strom und Gas wirklich günstiger?

Frau steht an Weggabelung zwischen Wegweiser "Strom" (Solarpanel, Windräder) und "Gas" (Fabrik, Gasleitung).
Viele Kombitarife werden mit dem Versprechen beworben, günstiger zu sein als zwei separate Verträge. In der Praxis ist dieser Vorteil jedoch deutlich weniger eindeutig, als es die Werbung vermuten lässt. Der Preisunterschied entsteht häufig nicht durch dauerhaft niedrigere Arbeitspreise, sondern durch zeitlich begrenzte Rabatte oder Boni, die vor allem im ersten Vertragsjahr wirken.
Ein zentraler Punkt ist der sogenannte Kombirabatt. Dieser liegt oft nur im Bereich weniger Euro pro Monat oder wird als einmalige Gutschrift gewährt. Gleichzeitig bleiben die eigentlichen Preise pro Kilowattstunde für Strom und Gas auf einem Niveau, das sich kaum von Einzelverträgen unterscheidet oder teilweise sogar darüber liegt. Der vermeintliche Vorteil entsteht also eher rechnerisch als real.
Besonders problematisch wird es, wenn der Kombivorteil ausschließlich im ersten Jahr greift. Nach Ablauf dieser Phase fällt der Rabatt weg, während die regulären Preise weiterlaufen oder sogar steigen. Viele Haushalte bleiben dennoch im Tarif, weil sie den Wechsel scheuen oder den Preisverlauf nicht regelmäßig prüfen. Auf diese Weise kann ein Kombitarif langfristig teurer werden als zwei getrennte Verträge mit stabilen Konditionen.
Ein weiterer Aspekt ist die unterschiedliche Verbrauchsstruktur. Strom und Gas haben meist stark voneinander abweichende Verbrauchsmengen und Kostenanteile. Während beim Strom der Arbeitspreis pro Kilowattstunde besonders ins Gewicht fällt, spielt beim Gas häufig auch der Grundpreis eine größere Rolle. Ein Kombitarif gleicht diese Unterschiede nicht automatisch aus, sondern behandelt beide Energieträger häufig pauschal.
In der Praxis zeigt sich daher: Ob ein Kombitarif günstiger ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Er kann im Einzelfall Vorteile bieten, ist aber keinesfalls automatisch preiswerter als zwei separat optimierte Tarife. Entscheidend ist immer der Vergleich der realen Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg, idealerweise über mindestens zwei Jahre.

3. Wann lohnt sich ein Strom-Gas-Kombitarif?

Ein Kombitarif kann dann sinnvoll sein, wenn beide enthaltenen Tarife auch unabhängig voneinander konkurrenzfähig sind. Das bedeutet konkret: Sowohl der Strom- als auch der Gastarif sollten einen marktgerechten Arbeitspreis, einen fairen Grundpreis und transparente Vertragsbedingungen aufweisen. Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, entsteht ein echter Mehrwert.
Ein weiterer Vorteil kann in der vereinfachten Verwaltung liegen. Wer Wert darauf legt, nur einen Ansprechpartner zu haben, eine gemeinsame Abrechnung zu erhalten und Vertragsänderungen zentral zu regeln, empfindet einen Kombitarif häufig als komfortabler. Gerade für Haushalte, die sich nicht regelmäßig mit Energiethemen beschäftigen möchten, kann dieser organisatorische Aspekt durchaus relevant sein.
Auch identische Vertragsbedingungen spielen eine Rolle. Wenn Laufzeiten, Preisgarantien und Kündigungsfristen für Strom und Gas übereinstimmen, lässt sich der Vertrag später einfacher anpassen oder wechseln. In solchen Fällen entsteht keine zusätzliche Bindung, die die Flexibilität einschränkt.
Sinnvoll kann ein Kombitarif außerdem sein, wenn auf Rabatte verzichtet wird und stattdessen dauerhaft niedrige Preise angeboten werden. Solche Tarife sind zwar seltener, bieten aber eine realistische Kalkulationsgrundlage ohne spätere Überraschungen. Hier steht nicht der kurzfristige Vorteil im Vordergrund, sondern eine langfristig stabile Kostenstruktur.
Zusammengefasst lohnt sich ein Strom-Gas-Kombitarif dann, wenn er nicht über kurzfristige Anreize verkauft wird, sondern durch nachvollziehbare Preise, klare Bedingungen und organisatorische Vorteile überzeugt. Sobald Rabatte oder Boni den Hauptanreiz darstellen, sollte besonders genau geprüft werden, ob der Tarif auch über das erste Jahr hinaus sinnvoll bleibt.

4. Wann ist ein Kombitarif eher nachteilig?

Eine frustrierte Frau versucht, eine Kette mit Symbolen für Strom und Gas zu zerbrechen, während Wasser aus einem Wasserhahn fließt.
Ein Strom-Gas-Kombitarif ist nicht automatisch die bessere Wahl. In vielen Fällen bringt er sogar Nachteile mit sich, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Das größte Risiko liegt darin, dass sich die beiden Tarife preislich unterschiedlich entwickeln, Sie aber vertraglich an beide gebunden sind.
Häufig kommt es vor, dass ein Anbieter einen günstigen Strompreis mit einem vergleichsweise teuren Gastarif kombiniert oder umgekehrt. Der beworbene Kombirabatt verdeckt dann, dass einer der beiden Energiepreise über dem Marktniveau liegt. Wer nur auf den Gesamtpreis schaut, übersieht schnell, dass sich die Ersparnis auf eine Sparte beschränkt, während die andere unnötig teuer bleibt.
Ein weiterer Nachteil betrifft die Flexibilität. Bei getrennten Verträgen können Sie Strom und Gas unabhängig voneinander wechseln, sobald sich der Markt verändert. Bei einem Kombitarif ist ein Teilwechsel oft nicht möglich oder nur mit zusätzlichen Kosten verbunden. Das kann problematisch werden, wenn sich beispielsweise der Strommarkt stark entspannt, während der Gastarif unverändert teuer bleibt. In diesem Fall verlieren Sie die Möglichkeit, gezielt zu reagieren.
Auch die Vertragsbedingungen sind bei Kombitarifen häufig strenger. Laufzeiten, Preisgarantien und Kündigungsfristen gelten meist für beide Energieträger gleichzeitig. Läuft ein Vertrag ungünstig, sind automatisch beide betroffen. Besonders kritisch sind Kombitarife, bei denen Rabatte oder Preisnachlässe ausschließlich im ersten Jahr gelten. Nach Ablauf dieser Phase steigt der Preis häufig deutlich an, ohne dass der Kombivorteil bestehen bleibt.
Nicht zuletzt erschwert ein Kombitarif die Transparenz. Abrechnungen werden komplexer, Preisbestandteile schwerer nachvollziehbar. Für Verbraucher, die ihre Kosten aktiv kontrollieren möchten, ist das ein klarer Nachteil.

5. Was sollte man beim Strom-Gas-Kombitarif unbedingt vergleichen?

Wer dennoch über einen Kombitarif nachdenkt, sollte besonders genau hinschauen. Entscheidend ist, Strom und Gas trotz gemeinsamer Vermarktung immer getrennt zu bewerten. Der erste Schritt ist der Vergleich von Arbeitspreis und Grundpreis für beide Energieträger einzeln. Nur so lässt sich erkennen, ob wirklich beide Tarife marktgerecht sind.
Ebenso wichtig ist der Blick auf die Kosten im zweiten Vertragsjahr. Viele Kombitarife wirken im ersten Jahr attraktiv, weil Rabatte oder Boni eingerechnet sind. Diese Vergünstigungen fallen später weg, während die laufenden Preise unverändert hoch bleiben oder sogar steigen. Ein realistischer Vergleich sollte deshalb immer ohne Boni erfolgen und mindestens einen Zeitraum von 24 Monaten berücksichtigen.
Auch die Vertragsbedingungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, ob Laufzeiten, Preisgarantien und Kündigungsfristen für Strom und Gas identisch sind und ob diese zu Ihrem Nutzungsverhalten passen. Eine lange Preisgarantie kann sinnvoll sein, muss aber nicht in jedem Fall Vorteile bringen, vor allem wenn sie an einen hohen Grundpreis gekoppelt ist.
Zusätzlich sollten die Bedingungen für Rabatte klar geregelt sein. Manche Anbieter knüpfen Vergünstigungen an Mindestlaufzeiten, bestimmte Verbrauchswerte oder fristgerechte Zahlungen. Werden diese Bedingungen nicht erfüllt, entfällt der Rabatt rückwirkend. Das kann zu unerwarteten Mehrkosten führen.
Ein guter Vergleich zeichnet sich dadurch aus, dass er transparent ist, realistische Preise zeigt und keine kurzfristigen Effekte in den Vordergrund stellt. Nur wenn beide Tarife auch einzeln überzeugen, kann ein Kombitarif eine sinnvolle Option sein.

6. Fazit

Ein Strom-Gas-Kombitarif kann praktisch sein, ist aber kein Selbstläufer. Der Komfort einer gemeinsamen Abrechnung und eines Ansprechpartners ist für viele Haushalte attraktiv. Preislich lohnt sich ein Kombitarif jedoch nur dann, wenn beide Energieträger auch unabhängig voneinander konkurrenzfähig sind.
Kurzfristige Rabatte oder Boni sollten bei der Entscheidung keine zentrale Rolle spielen. Entscheidend sind die laufenden Kosten, die Vertragsbedingungen und die Flexibilität, auf Marktveränderungen reagieren zu können. In vielen Fällen bietet der getrennte Vergleich von Strom und Gas mehr Transparenz und langfristig bessere Einsparmöglichkeiten.
Wer Klarheit über seine Energiekosten möchte, sollte beide Tarife objektiv prüfen und nicht allein auf Kombiversprechen vertrauen. Genau hier setzt ein unabhängiger Vergleich an: Strom und Gas werden getrennt bewertet, sodass sichtbar wird, ob ein Kombitarif tatsächlich Vorteile bringt oder ob zwei individuelle Tarife die bessere Wahl sind.